Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Häufige Fragen und Antworten
Was ist das Projekt „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ?
Das Projekt wurde 2017 von der Gewerkschaft Bau-Holz Steiermark gemeinsam mit dem Land Steiermark ins Leben gerufen. Ziel ist es, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Slowenien und Kroatien, die in Österreich arbeiten, kostenlos und in ihrer Muttersprache zu beraten und sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen.
Warum wurde das Projekt gegründet ?
Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland kennen die österreichischen Arbeitsgesetze und Kollektivverträge nicht. Dadurch kommt es immer wieder zu:
- Unterentlohnung,
- Lohn- und Sozialdumping,
- Verstößen gegen Arbeitszeitbestimmungen,
- fehlenden Sonderzahlungen,
- Verletzungen des Arbeitnehmerschutzes.
Die Beratungsstelle hilft dabei, diese Missstände aufzudecken und zu bekämpfen.
Wer kann die Beratung in Anspruch nehmen ?
Die Beratung richtet sich an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den Branchen der Gewerkschaft Bau-Holz, die in Österreich beschäftigt sind.
In welchen Sprachen wird beraten ?
Die Beratung erfolgt in:
- Deutsch
- Slowenisch
- Kroatisch
- Bosnisch
- Serbisch
Damit können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihrer Muttersprache informieren und beraten lassen.
Welche Themen werden beraten ?
Unter anderem:
- richtige Entlohnung
- Kollektivvertrag
- Arbeitsvertrag
- Arbeitszeit
- Überstunden
- Urlaub
- Krankenstand
- Arbeitnehmerschutz
- Sonderzahlungen
- Kündigung
- Lohnabrechnung
- Entsendung nach Österreich
- Lohn- und Sozialdumping
Was bedeutet „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ?
Wer in Österreich dieselbe Arbeit verrichtet, soll unabhängig von seiner Herkunft den gleichen kollektivvertraglichen Lohn erhalten.
Niemand darf schlechter bezahlt werden, nur weil er aus einem anderen Land kommt.
Was ist Lohn- und Sozialdumping ?
Von Lohn- und Sozialdumping spricht man, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger Lohn erhalten als ihnen nach Gesetz oder Kollektivvertrag zusteht oder wenn Sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten werden.
Warum ist Lohn- und Sozialdumping ein Problem ?
Lohn- und Sozialdumping schadet:
- den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern,
- seriösen Unternehmen,
- dem fairen Wettbewerb,
- dem österreichischen Arbeitsmarkt.
Wie hilft die Gewerkschaft Bau-Holz ?
Die Gewerkschaft unterstützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch:
- kostenlose Beratung,
- Prüfung von Lohnabrechnungen,
- Kontrolle der Einstufung,
- Unterstützung bei der Durchsetzung offener Ansprüche,
- arbeitsrechtliche Beratung,
- Rechtsschutz für Mitglieder.
Welche Erfolge konnte das Projekt erzielen ?
Seit dem Start im Jahr 2017 konnten:
- über 800 arbeitsrechtliche Interventionen durchgeführt werden,
- rund 940.000 Euro an offenen Ansprüchen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchgesetzt werden.
Warum ist die Beratung in der Muttersprache so wichtig ?
Nur wer seine Rechte versteht, kann sie auch durchsetzen. Die Beratung in der Muttersprache hilft, Missverständnisse zu vermeiden und stärkt das Vertrauen der Beschäftigten.
Wird das Engagement gegen Lohn- und Sozialdumping fortgesetzt ?
Ja.
Auch nach dem Ende des ursprünglichen Projekts setzt die Gewerkschaft Bau-Holz ihren Einsatz gegen Lohn- und Sozialdumping fort. Ziel bleibt es, faire Arbeitsbedingungen sicherzustellen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Ausbeutung zu schützen.
Gut zu wissen
Faire Arbeit kennt keine Grenzen. Die Gewerkschaft Bau-Holz setzt sich dafür ein, dass alle Beschäftigten – unabhängig von ihrer Herkunft – nach den österreichischen Gesetzen und Kollektivverträgen entlohnt werden. Denn gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist die Grundlage für einen fairen Wettbewerb und gute Arbeitsbedingungen.
Service: Daten und Fakten
Daten und Fakten zu Lohn- und Sozialdumping
- 2018 wurden 2.222 Entsendeunternehmen kontrolliert, wovon gegen 1.034 Firmen wegen Unterentlohnung ermittelt wurde. Das ist jede 2. Firma (46,53 Prozent)
- 2022 wurden 2.367 Entsendeunternehmen kontrolliert, wovon gegen 589 Firmen wegen Unterentlohnung ermittelt wurde. Das ist jede 4. Firma (24,88 Prozent)
- Zum Vergleich: Bei österreichischen Firmen liegt die Unterentlohnungsquote seit Jahren durchschnittlich bei 0,8 Prozent
Daten und Fakten Projekt „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ (Spielfeld)
- Kollektivvertragliche Unterentlohnung (45 Prozent)
- Nicht ausbezahlte Sonderzahlungen (20 Prozent)
- Nichtmeldung bei der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) und Nichtentrichtung der BUAK-Zuschläge für ArbeitnehmerInnen (15 Prozent)
- Hilfestellung bei Behördenwegen, z.B. Gesundheitskasse, Pensionsversicherungsanstalt (15 Prozent)
- Kurzarbeit in den Firmen (2 Prozent)
- Quarantäne durch Covid (3 Prozent)
- Ein 62-jähriger entsandter Arbeitnehmer wurde in Österreich als Fliesenlegerlehrling im 1. Lehrjahr gemeldet
- Illegale ArbeitnehmerInnen auf steirischen Baustellen wurden auf Grund von Hinweisen ausgeforscht und angezeigt
- Keine Bezahlung von Taggeldern und Sonderzahlungen (aktuell sind noch Klagen bei Gericht anhängig)
- ArbeitnehmerInnen werden mit gefälschten A1-Formularen (falsche Stempel) nach Österreich entsandt. Zum Beispiel 2021 rund 6.000 gefälschte Formulare.
